Bruder Tadej

Monatelange Schinderei, Höhentrainingslager, jede Kalorie, jeder Atemzug, jeder Herzschlag gezählt, vermessen, kategorisiert. Selbst der Schlaf von Maschinen überwacht. Damit am Ende alles so leicht daher kommt, von surrealer Brillanz jener Ritt auf die Gipfel der Pyrenäen ohne jemals wirklich aus dem Sattel zu steigen. Alles verblasst um ihn herum, seine ärgsten Konkurrenten nur Staffage einer One Man Show, kurze Antritte, die er mit aufreizender Lässigkeit kontert. Und doch sitzt da am Ende auf den Gipfeln im kalten Nebel ein nachdenklicher Mann in dicker Jacke und mit Wollmütze auf dem Kopf der darauf wartet, das ihn irgendjemand eine wirkliche Frage stellt, etwas sagt, was ihn berührt oder wenigstens irritiert. Aber nur immer die gleichen voraussehbaren Fragen, die er routiniert beantwortet. Und keine Spur von Glück in seinem Gesicht, kein Leuchten in den Augen angesichts all der Erfolge, des uneinholbaren Vorsprungs. Später wird er sagen, er habe all die Wochen darauf gewartet, dass sein ärgster Widersacher endlich ernst mache, aber der habe immer nur an seinem Hinterrad geklebt. Da wird er das erste Mal für einen Sekundenbruchteil so etwas wie wütend.

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