Last Action Hero [Part 3] – Dieser Wind der weht

Das System ist am Ende. Nicht sein sozialer Antagonismus. Deshalb diese Nebelkerzen auf dem gesellschaftlichen Schlachtfeld, Manipulationen bis in die tiefsten Schichten des menschlichen Unterbewusstseins. Jede Verwertungskrise schärft schlagartig den Blick auf den revolutionären Horizont, sofort setzt ein Trommelfeuer ein, um Hoheit über den diskursiven Raum im Vakuum der kollabierenden Maschinenräume zu erlangen.

Das Ende der Geschichte’ besetzte den politischen Raum, der im Gefolge des staatskapitalitischen Systemkrise aufbrach, während Kohl und Herrhausen die ersten waren, die Milliarden in die Warschauer Vertragsstaaten pumpten, der eine erkaufte Schritt für Schritt die Wiedervereinigung, der andere verstand frühzeitig dass es darum ging sich die besten Positionen für den bevorstehenden Ausverkauf zu sichern. Doch es war auch ein Raum für revolutionäre Veränderungen, der entstand, es war nicht ausgemacht, wohin die Reise gehen würde, über Jahre fragile Machtverhältnisse, die große Kundgebung auf dem Alexanderplatz im November 1989 hatte nicht die Wiedervereinigung auf der Agenda, in den Apparaten der Warschauer Vertragsstaaten tobten heftige Machtkämpfe, noch 1991 versuchten führende Funktionäre der KPDSU einen Militärputsch, der nur knapp scheiterte. Im nachhinein werden diese ganzen hochkomplexen Prozesse einer glättenden Geschichtsschreibung unterworfen und da die historische Linke ideologisch in der Falle saß und mit dem Ende des Staatskapitalismus als bedeutender gesellschaftlicher Akteur mit unterging (eine Tatsache, deren Existenz sie sich bis heute weigert anzuerkennen), gibt es de facto nur die Geschichtsschreibung der Sieger.

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FÜR FATMA

Vor einigen Tagen ist ein alter Genosse zufällig auf eine improvisierte Gedenkstätte mit Blumen, Kerzen und Fotos von dir in der Adalbertstraße gestoßen und hat mir sofort geschrieben. Auf diesem Weg habe ich erfahren, dass ich dich nicht wiedersehen werde. In den letzten Jahren sind wir uns kaum noch über den Weg gelaufen, es heisst, dir sei es emotional nicht gut gegangen, ich weiß aber nichts genaueres und letztendlich spielt es auch keine Rolle ob die Seele oder der Körper diese Barbarei, die sie Zivilisation nennen, nicht mehr ausgehalten hat. Es gibt bestimmt Menschen, die dich viel besser kannten und berufener wären, von dir zu erzählen, aber da ich bisher nichts zu deinem Tod gelesen habe, werde ich versuchen, mit meinen bescheidenen Mitteln an dich zu erinnern.  

Früher haben wir uns häufig zufällig getroffen, meistens am Rande von Demos oder Actions, und bei all diesen Gelegenheiten hast du mich angelacht und von ganzem Herzen umarmt. Auch wenn die Umstände häufig eigentlich nicht zum Lachen waren. Aber in meinem Kopf ist da dieses strahlende Lächeln, das den ganzen Heinrichplatz erhellt hat, fest eingebrannt. Aber fangen wir damit an, was dich auch in deinem Beitrag zum Antifa Ost Verfahren, zur Frage von Aussagen und Einlassungen, beschäftigt hat, der erst vor wenigen Wochen im Oktober veröffentlicht wurde und den ich weiter unten noch einmal in voller Länge anhängen werde. 

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Last Action Hero [Part 2] Die nihilistische Commune

“Sie konnten nie begreifen, dass die Commune eine Barrikade und keine Verwaltung war.“ 

Prosper-Olivier Lissagaray

Vom Tahrir Platz über die Versammlungen und Aufmärschen der Gilets Jaunes bis zu den Temporären Autonomen Zonen der Aufstände in Frankreich nach dem Mord an Nahel (das eigene Territorium temporär ausgeweitet und befreit von der Besatzungsmacht der Bullen), seit fast 2 Jahrzehnten konstituiren sich die Aufstände, die gekommen sind, als nihilistische Commune. Sich jeglicher Repräsentanz verweigern außerhalb ihrer selbst (es muß erinnert werden an jene kläglichen Gestalten, die versuchten, als selbsternannte Vertreter der Gelbwesten in Partei-Apparaten Karriere zu machen und in der Folge handfest von den Aufzüge der Gilets Jaunes vertrieben wurden), ohne Forderungskataloge jenseits von Würde, Freiheit, Brot und Sturz des Regimes, bleiben sie sich selbst und ihrer nihilistischen Verschwörung treu, bis in ihre bittersten Tage der Niederlage hinein. Es gibt nichts zu verhandeln, Freiheit oder Tod, sie beerben ehrenvoll ihren historischen Bezugspunkt, die Pariser Commune, über die Marx in “Der Bürgerkrieg in Frankreich” sagt:

Die Arbeiterklasse verlangte keine Wunder von der Kommune. Sie hat keine fix und fertigen Utopien durch Volksbeschluß einzuführen. Sie weiß, daß, um ihre eigne Befreiung und mit ihr jene höhre Lebensform hervorzuarbeiten, der die gegenwärtige Gesellschaft durch ihre eigne ökonomische Entwicklung unwiderstehlich entgegenstrebt, daß sie, die Arbeiterklasse, lange Kämpfe, eine ganze Reihe geschichtlicher Prozesse durchzumachen hat, durch welche die Menschen wie die Umstände gänzlich umgewandelt werden. Sie hat keine Ideale zu verwirklichen; sie hat nur die Elemente der neuen Gesellschaft in Freiheit zu setzen…” 

Im Angesicht der gegenwärtigen Epoche; der ökologischen Verwüstung, der allgemeinen Tendenz zum Krieg, die Faschisierungstendenzen in Staat und Gesellschaft, der Umschreibung der menschlichen Syntax durch die allgegenwärtige KI; kann man sich seinen Untergangsfantasien hingeben, jene depressive Erlösung einer sich historisch überlebten Linken, die regressiv ihren eigenen Untergang mit dem Ende der Welt gleichsetzt, oder sich der Schärfe und Explosivität des Zusammenpralls des Klassenantagonismus stellen.

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