Remontada [Part 2]

„Alles was ich im Leben über Moral oder Verpflichtungen des Menschen gelernt habe, verdanke ich dem Fußball.“

Albert Camus

“Ich kenne sie nicht. Ich bin hier, um Gramsci im Original zu lesen und die Geschichte der Arbeiterbewegung zu studieren. 

Sócrates Brasileiro Sampaio de Souza Vieira de Oliveira, brasilianische Fußballlegende, zu der Frage, welchen Spieler er in seiner neuen Mannschaft AC Florenz mehr schätze. 

Ein junger Mann, eigentlich noch ein Junge, sitzt auf dem Ball an der Eckfahne in diesem Stadium und wartet darauf, dass das Spiel fortgesetzt wird, während sein Mannschaftskollege und Freund im Strafraum nach einem Zusammenprall mit dem gegnerischen Torwart noch behandelt wird. Vor einigen Tagen haben sie hier in diesem Station auch schon gespielt, die gleiche Begegnung, ein anderer Wettbewerb. Sie hatten ihn von den Rängen aus beschimpft und rassistisch verhöhnt, er “solle wieder nach Marokko abhauen”, das Land seines Vaters, während er in der Banlieue von Barcelona geboren und aufgewachsen ist, und nun stolz das Trikot seines Herzensvereins mit der magischen Rückennummer trägt. Auch heute wird es wieder nichts werden mit der Remontada, das er weiß er jetzt noch nicht. Wieder einmal wird der schöne Fußball, der immer links ist, wie Cruyff einst sagte, den sie in Barcelona verehren und dessen Philosophie sie bis heute folgen, an dem hässlichen, auf Zerstörung ausgerichteten Fußball des ausschließlich Erfolges, der Gewinnmaximierung, tragisch scheitern.

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Heaven Can Wait – 1. Mai Berlin

“Ein Mensch ist immer das Opfer seiner Wahrheiten” 

Albert Camus

James: “The same procedure as last year, Miss Sophie?”

Miss Sophie: “The same procedure as every year, James!”

Nun haben sich die kümmerlichen Überreste der Postautonomen – die schon mit den Füßen scharren für ihr neues sensationelles Kampagnenjahr – und die diversen neuen K Gruppen – an denen neu nur ihr völlig verkümmertes Verständnis von gesellschaftlichen Prozessen ist, während ihre historischen Vorgänger jenseits des stupiden autoritären Weltbildes wenigstens eine materialistische Klassenanalyse vorzuweisen hatten-, wieder lieb und gestalten die alljährliche Wallfahrt zum 1.Mai in Berlin gemeinsam. Beide Lager haben endlich die Inklusion für sich entdeckt und so präsentieren sich die veröffentlichten Aufrufe im späteren Text und auch schon im Header in ‘einfacher Sprache’. ‘Freiheit, Frieden, Solidarität’. Nicht weit weg vom “Friede, Freude, Eierkuchen’ der Loveparade des bekennenden Antisemiten Dr. Motte, der 1995 in einem Interview mit dem Tagesspiegel meinte: „Dies ist mein Aufruf an alle Juden der Welt, sie sollen doch mal eine neue Platte auflegen. Und nicht immer nur rumheulen.“ Und nein, wir schlagen an dieser Stelle nicht den Bogen zum virulenten Antisemitismus, der sich tief eingegraben hat in die berechtige Wut der Bewegung gegen den mörderischen Krieg den Israel gegen die Zivilbevölkerung im Gaza Streifen führt, das wäre zu billig, wenn auch rhetorisch reizvoll. Wobei auf den falschen Campismus, der spätestens mit dem Beginn des Krieges in der Ukraine 2022 seinen erneuten Siegeszug in der Linken angetreten hat, noch zurückzukommen ist. 

Give me all of your dreams

And let me go alone on your way

Give me all of your prayers to sing

And I′ll turn the night into the skylight of day

Meat Loaf – Heaven Can Wait

“Wir werden am 1. Mai für euch den Himmel auf die Erde holen. Seid dabei!” und “Wir organisieren den Aufruhr!” tönt es auf dem Twitter Account des” Revolutionären 1. Mai Berlin” und die Interventionistische Linke, deren ‘Zwischenstandspapier #2’ vor 2 Jahren noch gut 30 Seiten aufwies, verzichtet in ihrem Aufruf zum 1. Mai in Berlin ‘Gegen die Gesamtscheisse’ auf jegliche theoretische Unterfütterung und versucht sich in historische Reminiszenz kurz und knackig am Slang jener Bewegung, die einst den 1. Mai in Berlin in die Geschichtsbücher einschrieb: “Mit rebellischer Munterkeit laden wir zu einem Block auf der revolutionären 1.Mai-Demo alle ein: Wütende und Traurige, Lohnabhängige und vermeintlich Überflüssige, Kind und Kegel, Schlawinerinnen und Rabauken, Militante und die gesamte Bagage. In unserer Vielfalt finden wir die Einheit. [sic!]”

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